Aus der Presse:

Karneval mit ganz viel Herzblut

TA+ online vom 9. Februar 2025 | Bericht von Jens Feuerriegel

Michael III. und Judith I. (Foto © Jens Feuerriegel)
Michael III. und Judith I. (Foto © Jens Feuerriegel)


Karneval mit ganz viel Herzblut - vom Sternchen Amelie bis Sarahs letztem Tanz

Der Südharz hat mit Michael III. und Judith I. ein weiteres Prinzenpaar. Mit tollem Auftakt startet 55-jähriger Karnevalverein in seine neue Saison.

Es ist ihr letzter Auftritt als Tanzmariechen. Sarah Meister (22) genießt diesen Moment und legt noch einmal alles aufs Parkett, was in ihr steckt. Die Musik ist besonders. Denn die hat einst ihr verstorbener Opa mit eingespielt. Er zählt zu den Urgesteinen des Karnevals in Ellrich. Die Begeisterung fürs Närrische hat Sarah von ihm geerbt.
Ihr letzter Tanz endet. Die Musik verklingt. Und der Saal tobt. Karneval kann auch sehr emotional sein. Sarah wirkt glücklich, und doch ist es nicht genau auszumachen, ob nur Schweißperlen oder auch Tränen im Gesicht kullern. Oder ist es ein Mix aus beidem? Dank Theresa hat Sarah schon eine würdige Nachfolgerin. Seit 15 Jahren ist Sarah aktiv im Ellricher Karnevalverein (EKV). Die Ehre, das Tanzmariechen zu sein, habe sie sechs Jahre lang mit viel Freude erfüllt, blickt sie zurück. Diese Zeit endet nun, aber dem Verein will sie treu bleiben. Eine würdige Nachfolgerin hat sie bereits: Die 16-jährige Theresa zeigt eine starke Tanzleistung. Von sportlich bis akrobatisch – einfach eindrucksvoll. Die Leipzigerin, deren Mutter aus Ellrich stammt, verbringt gern ihre Zeit bei den Großeltern im Südharz und hat deshalb auch den Weg zum EKV gefunden.

Vereinsvorstand Michael Schulze ist glücklich. Seit 55 Jahren feiern die Ellricher ihren Karneval. Auch die neue Saison startet vielversprechend. Die Südharzhalle ist ausverkauft. 260 Gäste bilden das närrische Publikum, das sich an den Tänzen, dem Live-Gesang und den Büttenreden erfreut. Was der Verein da auf die Beine stellt, ist beeindruckend. Alles im Ehrenamt. „Karneval hat auch viel mit Herzblut zu tun“, sagt Michael Schulze. Und: „Der Nachwuchs ist wichtig, damit es immer weitergehen kann.“ Da müssen sich die Ellricher wohl derzeit keine Sorgen machen. Schaut man auf die neun- bis 13-jährigen Mädchen der Prinzessingarde, ist unübersehbar, dass dort schon die nächste Generation für die Prinzengarde heranwächst. Ein kleines Sternchen ragt heraus. Die sechsjährige Amelie aus Sülzhayn tanzt ein Solo, das ein Versprechen für die Zukunft ist. Nicht nur die Mutti Franziska Sauer schaut ihr begeistert zu, um sie anschließend herzlich zu umarmen.

Das Programm ist pickepackevoll. 30 Punkte sind aufgelistet. Ein Höhepunkt jagt den nächsten. Stolz ist der Vereinschef aber auch auf die Leistungen hinter den Kulissen. Nur so hat sich die Turnhalle zum Faschingssaal verwandeln können. Dankbar ist Schulze zudem der Schule sowie der Service-Gesellschaft des Landkreises. „Ohne deren Unterstützung wäre all das hier nicht möglich“, unterstreicht er.

Ein neues Prinzenpaar hat Ellrich selbstverständlich auch. Es ist erst das 53., weil die Corona-Pandemie den EKV zwei Jahre lang ausgebremst hat. Das frisch gekrönte Oberhaupt der Narren ist Prinz Michael III., der im bürgerlichen Leben Michael Franke heißt und dessen Wurzeln in Sangerhausen liegen. Aber die Liebe hat ihn nach Ellrich gelockt. Sie heißt Judith Mock, aus Auleben stammend, aber längst in Ellrich eingebürgert. Und sie weicht ihrem Michael auch in der fünften Jahreszeit nicht von der Seite, verewigt sich somit als Judith I. in der EKV-Chronik.

Dem Auftakt folgen zwei weitere Abende sowie die Weiberfastnacht. Doch alles ist schon ausverkauft. Empfehlenswert ist der Kinderkarneval am 23. Februar. Dort gibt es die Karten an der Tageskasse.

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