Ellricher Karneval feiert 40. Geburtstag


Teil 1


40 Jahre Ellrich Helau! Wir sind so frei!
Ein Blick zurück, wir waren dabei!
Seit 40 Jahren, nur eine Jahreszahl!
Wir erinnern uns! Es war einmal!
Mit Narrenkappe am 11.11. um 11.00 Uhr 11 traten wir vor das Rathaustor!
Kritisch beäugt! Nanu! Was haben die denn vor?
Vielleicht den Staat in seinem Grundfesten zum Wanken bringen?
Oder wollen die wirklich nur frohe Lieder singen?
Vor vierzig Jahren traten wir mit Helau ins Rampenlicht.
Von vielen mit Freuden begrüßt, von einer Anzahl Genossen nicht.
Mit Zensur prüfte man uns auf Herz und Nieren.
Jeden tat man einzeln politisch auch sezieren.
Das alles hat uns nicht verdrossen.
Wir trieben sie weiter unsere „Possen“.
Nahmen Partei und Staat frech auf die Schippe.
Umschifften manche große und auch kleine Klippe.
Hatten mit Partei und Stasi manchen Tanz.
Aber beim Publikum dafür die große Resonanz.
Man trug uns an „Rotes Lachen“ zu erzeugen.
Und uns vor Erich und seinen Klüngel zu verbeugen.
Wir haben uns nicht verbeugt und auch nicht krumm gemacht.
Wir haben erreicht, dass man mit uns lacht!
Dass man die Narretei auch locker sah!
Wir waren wer! Wir waren da!
Der Bürgermeister reichte uns den Schlüssel für das Narrenland.
Die Narrenkappe auf dem Kopf, das Parteibuch in der Hand.
So war das damals im Lande hinterm Zaun.
Karnevalisten – denen ist doch nicht zu trau’n.
Die Aera einer Bürgermeisterin hat dann begonnen.
Die war uns meistens wohlgesonnen!
Oft aber gebremst von der Partei und ihrem Sekretär.
Der machte und das Leben schwer.
Aber! Uns wegzuwischen, das hat man nicht geschafft!
Zu groß war da schon unsere Kraft.


Teil 2


Der Karneval war etabliert in unserem kleinen Städtchen.

Mit Humor und mit Gesang, mit Tanz und vielen schönen Mädchen.

Und sie stand zusammen „die Truppe“!

Ellrich ohne Karneval war bald schon wie kein Salz in der Suppe!

Wir stellten uns zur Qualifikation und sahen gut aus dabei.

Theaterfachleute unterstützten uns „dass fachlich alles richtig sei“.

Wir heimsten Auszeichnungen ein „bekamen Titel“.

Ein Ventil für Angestautes, da war Karneval das beste Mittel.

Wir haben gelernt etwas zu sagen, ohne etwas gesagt zu haben.

Das war eine unserer stärksten Gaben.

Bis Leipzig reichte unser guter Ruf ins Land.

Zweimal waren wir Gast im Sachsenland.

Auch in Ilfeld und bei den Arres verstand man unsere Worte.

Für Ellricher Narretei waren es tolle Festspielorte.

Auch dort freute man sich über manch versteckte Kunde.

Machte sie beim Karneval die Runde.

Die Ohren waren geschult für Wortspitzen über Wirtschaft und Politik.

Der Karneval, das war schon ein ziemlich starkes Stück.

Wir besuchten Treffen der Karnevalisten im ganzen Lande DDR.

In Neubrandenburg hatte es ein Redner der Partei mit uns sehr schwer.

Wir verließen geschlossen das Forum und er stand allein am Pult!

Sorry, Genossen! Selber schuld!

Da zeigte sich schon der Zerfall des Staates, der der „Beste“ sein wollte.

Und dann kam der Tag, an dem jeder zum Begrüßungsgeld wollte.

Für Ellrichs Karnevalisten ein historischer Tag – 1989, 11.11. um 11.11 Uhr.

Schlüsselübergabe vor dem Rathaus noch normal. Aber Spannung pur.

Ein Tag, der fiel wirklich aus dem Rahmen.

Es war der Tag, an dem die Sachsen kamen. Aber weiter ging es nicht.

Noch waren alle Zäune dicht!

Aber abends dann, man glaubt es kaum!

Da waren die ersten Löcher schon im Zaun.

Und mit Helau, mit Musik und mit Gesang.

Ging es von der Bühne weg und die Chaussee entlang.

Nach Walkenried und etwas weiter.

Eine besondere Sprosse auf der Karnevalsleiter!


Teil 3

Wir haben es dann umgehend vollbracht.

Dass man in Walkenried mit Ellrichs Narren singt und lacht.

Aber Fragen, die tauchen auf, so ganz nebenbei

ob dieser Karneval im Südharz nicht deplatziert sei?

Denn das sei doch ein Privileg vom Land dort am Rhein.

Das war für uns keine Frage! Ein klares Nein!

Die alles besser wussten prophezeiten uns ein baldiges Ende.

Wie so vielen dingen vor der Wende.

Aber! Die Bewohner der „Seitentäler“, wir haben sie neugierig gemacht.

Sie wollten wissen, wie man in Ellrich singt und in Ellrich lacht.

Und sie kamen zu ihrer und unserer Freude doch in Scharen.

Und sie sind uns treu geblieben in all den Jahren.

Ein neuer Bürgermeister im Amt: ein gestandener Karnvalist!

Und was dazu zu sagen ist:

Am 11.11.90 stand er erstmals mit dem Schlüssel an der Rathaustür.

Er in der Pflicht, wir in der Kür!

Wenn der 11.11. ansteht und die Zeiger 11Uhr und 11 Minuten zeigen,

das ist so, dann eröffnen wir gemeinsam den Reigen.

Denn gemeinsame Freude ist doppelte Freude, so sagt ein Spruch.

Und Spass an der Freude machte uns dann unser Karnevalsbesuch.

Von Stuttgart bis Bremen und von Hamburg bis Berlin,

sie durften ja nicht nach Ellrich, jetzt wollten sie hin.

Von Bayern bis Dresden und Leipzig und Kiel.

Da kamen die Gäste! Ellrichs Karneval war das Ziel!

Wir wurden ein eingetragener Verein mit Gemeinnützigkeit!

Neu für uns, wie vieles in dieser Zeit!

Auch der Humor, das Wort, bekam eine andere Dimension.

Satire, die feinere Klinge der Kritik, wer wollte die schon?

Die menschlichen Schwächen waren gefragt in ihrer vielfältigen Art.

Mit Übertreibungen und Persiflagen wurde dann nicht gespart.

Politikverdrossenheit machte sich dann bald breit.

Wir waren angekommen in einer neuen Zeit.

Aber Mängel gibt es immer noch zu verwalten.

Im Grunde genommen bleib doch vieles beim Alten.



Teil 4


Im Jahr 95 war es dann soweit. 25. Geburtstag, waren wir gefragt.

Ein besonderer Kraftakt war angesagt.

Fast 25 Prinzenpaare waren zu Stelle, war das ein Freude im Saal!

Zum 40. Freuen wir uns auf Euch noch einmal!

Den 30. Geburtstag und den 33., den besonderen auch.

Die feierten wir zünftig nach karnevalistischen Brauch!

Nun steht schon der 40. Karneval vor der Tür.

Es ist Zeit Dank zu sagen jetzt und hier.

All denen die dieses Stück Ellricher Kultur aus der Taufe gehoben.

Den vielen Bands, die uns begleitet, die muss man alle loben.

Die Tänzer, die Sänger und Turner, die Redner in der Bütt.

Denen, die Weltstars auf die Bühne zauberten mit Play-Backgeschick.

Den Dekorateuren und Technikfreaks, den Trainern und Leitern.

Alle trugen dazu bei Ellrichs Kulturleben zu erweitern.

Und Nomen est omen!

Nicht zuletzt den Gastronomen!

Wir widmen auch denen mit Dankbarkeit unsere Zeilen,

die uns begleitet, unterstützt, aber nicht mehr unter uns weilen.

Der Bürgermeister Nr. 4 ist nun im Amt und wie der Zufall so ist,

wieder ein gestandener Karnevalist.

Neu ist auch die Leitung vom Verein.

Das ist nun mal so, was sein muss, das muss sein.

Mit neuen Elan geht es nun in die 40. Saison.

Die Karnevalisten scharren in den Startlöchern schön.

Auch die Kleinen, die Kinder, wir binden sie alle mit ein.

Die Kinder sind letztlich die Zukunft vom Verein.

Schule und wir, wir finden doch sicher den rechten Ton.

40 Jahre Ellrich Helau ist Verpflichtung und Tradition.

Wir laden Sie alle ein, mit uns zu feiern, zu lachen, zu singen.

Wir wollen unseren Gästen Humor und Freude bringen.

Schon albert Schweitzer tat es in Sachen Humor bekunden:

Mit jeder Minute Ärger versäumst du 60 glückliche Sekunden!

In diesem Sinne grüsst Sie der Vorstand des EKV mit

Ellrich Helau!



Autor: Kurt Schulze (Ehrenpräsident des EKV)